Als Mutter gut genug

Perfekt unperfekt! Warum eine zu gute Mutter auch nicht gut ist:


Unter dem Motto „Du bist gut genug!“ feuern sich Mütter (und zunehmend – glücklicherweise – auch immer mehr Väter 😊) gegenseitig an. Wie richtig sie damit liegen, ist beispielsweise bei Winnicott nachzulesen. Entwicklungspsychologisch gesehen sollte eine primäre Bezugsperson (also in erster Linie Mama oder Papa) „nicht zu gut“ auf der einen Seite, aber auch „nicht zu schlecht“ auf der anderen Seite sein. Sie sollte eben das: Gut genug sein!

Wenn ein Baby auf die Welt kommt, dann ist es schutzlos und hilflos und komplett von jemand anderem abhängig. Das kann schnell existentielle Urängste wecken – nämlich dann, wenn Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Das heißt, die Gefahr nicht versorgt und umsorgt zu werden ist von Anfang an für den Säugling präsent. Um einem Baby das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit zu geben, sollten seine Bedürfnisse erfüllt und störende Umweltreize auf ein Minimum reduziert werden. Nur dann kann es sich als kontinuierlich existierend - also als Ganzes - empfinden und sich an der Realität gesund entwickeln. Ansonsten verharrt der Säugling in diesem Konflikt – existieren vs. nicht existieren – oder interagiert mit einer gestörten Umwelt (nämlich eine, die ihn nicht genügend ver- und umsorgt), was eine gesunde, ja ungestörte (im doppelten Wortsinn) Entwicklung erschwert. In diesem Bereich sollte eine Mutter also gut genug sein.

Wohingegen sie nicht zu gut sein sollte, ist beim sprichwörtlichen „Wunsch von den Augen ablesen“. Denn so wirkt es auf das Kind, als lebe es in einer quasi magischen Welt, in der all seine Bedürfnisse wie von Zauberhand erfüllt werden. Lässt eine Mutter oder ein Vater den Säugling erst seine Bedürfnisse äußern, so lernt das Kind von Anfang an, dass es seine Bedürfnisse der Umwelt mitteilen kann und diese dann darauf reagiert. Es macht also die Erfahrung in der Realität zurecht zu kommen und nicht in einer Magiewelt zu leben.

Bereits so früh kann man seinem Kind also helfen, seine Umwelt auch in gewisser Weise als Ressource zu betrachten - eine so wichtige Fähigkeit: Problemlösungen in seiner Umgebung zu suchen und nach Hilfe zu fragen! Und zugleich eine, die so vielen Erwachsenen helfen würde, wenn sie sie nur gebrauchten…


Praxistipp: Kinder (aus)sprechen lassen

So einfach es sich anhört, ist es gar nicht. 😊 Einfach mal vermehrt darauf achten – egal ob beim Baby oder Kleinkind. Hat es wirklich schon seinen Wunsch geäußert, oder sind wir schon mitten am Tun, weil wir (meinen zu) wissen, was gleich kommt?! 😉


Sprachentwicklung


In der Erziehungs- und Familienberatung wird oft berichtet, dass zwei- bis dreijährige Kinder meist bei der U7a-Untersuchung sprachlich unterdurchschnittlich entwickelt sind. In 95% der Fälle sage ich: "Keine Panik. Das kommt noch." Meist können diese Kinder sich sehr gut nonverbal verständigen und verstehen alles. Was oft nicht bedacht wird ist, dass die Sprachentwicklung nicht erst mit 2 Jahren anfängt, denn dann soll die Sprache ja bereits da sein und sich nicht erst anfangen zu entwickeln. Nein, sie beginnt im Babyalter und zwar lernen Kinder / Babys das Sprechen dadurch, dass mit ihnen gesprochen wird - und zwar viel mit ihnen gesprochen wird. Das hört sich erst einmal einfach an. Aber vielleicht gehörst Du so wie ich zu der Sorte Mensch, die nicht so multitaskingfähig ist oder von sich aus permanent reden kann. Dann passiert es Dir vielleicht auch, dass Du beim Windelnwechseln Deinen Gedanken nachhängst und auf einmal merkst, dass Dich Dein Baby die ganze Zeit erwartungsvoll anschaut...?!

Du willst nie wieder eine Gelegenheit verpassen, um mit Deinem Baby in Kontakt zu treten? Dann schaue Dir den folgenden Praxistipp an:

Praxistipp: Schaffe Dir Automatismen!

Das heißt, Du sagst in immer wieder kehrenden Alltagssituationen (z.B. Treppen laufen) immer wieder dasselbe. Am Besten melodisch und mit Reimen. Das fördert bei der Sprachentwicklung gleichzeitig das Differenzieren von Buchstaben. So stellst Du sicher, dass Du auch wirklich regelmäßig mit Deinem Baby sprichst. Und wer weiß, je nach Inhalt des Reimes und wie lange er überdauert, lernt Dein Kleinkind noch etwas. Unser Treppenstufen-Reim kommt heute noch zum Einsatz und zählen konnte mein Sohn auch ziemlich früh ziemlich weit. Vielleicht geht es Dir mit Deinem Kind ja genauso. Probiere es aus. Melde Dich bei mir und ich schicke Dir meinen Treppenstufen-Reim kostenlos per Mail.

Bindungsförderung


Eine sichere Bindung ist mit das Wertvollste, was wir unseren Babys / Kindern geben können, und wovon Sie noch ein Leben lang zehren können. Denn wer die Erfahrung einer sicheren Bindung gemacht hat, der ist auch in der Lage später als Erwachsener eine sichere, vertrauensvolle und erfüllende Bindung zu einem anderen Menschen einzugehen.

Im Babyalter fördert eine sichere Bindung das Urvertrauen Deines Kindes. Es lernt, dass es sich auf seine Bezugsperson - Dich ! - verlassen kann. Das zeigst Du ihm dadurch, dass Du versuchst, die Bedürfnisse Deines Babys so gut es geht zu erfüllen. Entgegen älterer Sichtweisen kann man ein Baby nämlich nicht verwöhnen!

Diese Erfahrung bildet die Basis einer gesunden Entwicklung, die Deinem Kind dann im Kleinkindalter den Mut gibt die Welt zu erkunden. Denn es hat Dich, seinen sicheren Hafen, in den es jeder Zeit zurückkehren kann.

Praxistipp: Vorlesen

Ich bin ein großer Fan des Vorlesens. Vom Babyalter an. In der Erziehungs- und Familienberatung empfehle ich es oft, da es so viele beziehungsfördernde Aspekte auf einmal beinhaltet. Es fördert nicht nur die Sprachentwicklung, sondern es ist auch uneingeschränkte Qualitätszeit zwischen Dir und Deinem Kind. Denn in dieser Zeit geht es nur um Euch beide. Ihr konzentriert Euch aufeinander und könnt uneingeschränkte Nähe genießen. Wichtig ist auch, dass Du von Dir aus auf Dein Kind zukommst. Das ist gut für die Entwicklung seines Selbstwertgefühls.

Erziehungs- und Familienberatung

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Natürliches Lernen


Kinder ab 2 Jahren sind in der Regel überaus wissbegierig und erkunden die Welt um sich herum. Ich halte die Natur da für die beste Lehrerin. Deswegen sollten Kinder nicht nur viel draußen sein, sondern beispielsweise auch nicht nur Bücher mit Illustrationen lesen. Genauso wie ein einfacher Stock auf einmal ein Pferd oder ein Trecker sein kann, so darf es auch in Büchern gerne mal eine Kombination aus Phantasiewelt und Realität sein. 

Praxistipp: Buchempfehlung: Die Geschichte von Geier Piep

Perspektivübernahme

Was sich hier auf den ersten Blick nicht gut und recht plakativ anhört, ist auf den zweiten – psychologischen – Blick eine erfolgreich bewältigte Entwicklungsstufe.


Zugegeben als mein Sohn mich zum ersten Mal angelogen hat, reagierte auch prompt das Mutterherz in mir: Was? Wo kommt das denn jetzt her? Was habe ich falsch gemacht? Mein psychologisch geschulter Verstand antwortete: Gar nichts. Alles bestens! 😉


Der Fachbegriff hinter diesem Phänomen ist die „Perspektivübernahme“. Das bedeutet, dass Dein Kind jetzt in der Lage ist, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, eine andere Perspektive einzunehmen.

Beispiel: Dein Kind darf zum Nachtisch drei Kekse essen. Du hast kurz nicht aufgepasst und fragst, wie viele es schon gegessen hat. VOR der Fähigkeit zur Perspektivübernahme kommt die ehrliche Antwort: „Drei.“ Nach Erreichen dieser Entwicklungsstufe könnte es sein, dass die Antwort „Zwei.“ lautet. Denn dann kann Dein Kind sich in Dich hineinversetzen und weiß, dass Du nach drei Keksen die Packung schließen würdest. Bei der Antwort „Zwei.“ darf es also noch einmal reingreifen und sich einen vierten herausholen. Wie sonst könnte es Dich täuschen, ohne zu wissen, was Du denkst oder wie Du handeln würdest.


Das ist übrigens auch der Grund, warum Babys nicht weinen, um „einen zu ärgern“, wie man es öfter hört. Babys geht es ausschließlich um die Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse (Hunger, Nähe, volle Windel/körperliches Wohlbefinden, Schlaf). Sie können sich gar nicht in jemanden hineinversetzen und eruieren, womit sie ihn ärgern können.


Also, das erste Lügen ist kein schlechtes Zeichen. Im Gegenteil, Du kannst erst einmal durchatmen und Dich… ja, Du kannst Dich freuen über diese erreichte Entwicklungsstufe. Wie man dann mit diesem unehrlichen Verhalten umgeht, steht auf einem anderen Blatt. 😉 Aber in erster Linie ist es erst einmal eine Grundvoraussetzung für das spätere empathische Hineinversetzen in einen anderen Menschen. Also die Grundlage dafür, ein mitfühlender Mensch zu werden.

Auch das -zugegeben ziemlich provokative - „Erschießen des Vaters“ ist ein Anzeichen für die Fähigkeit zur Perspektivübernahme. Dein Kind ist in der Lage sich bei einem sogenannten „Als-Ob-Spiel“ in eine andere Rolle hineinzuversetzen. Ich war auch überrascht gerade dieses Beispiel in der Literatur zu lesen, aber ehrlich gesagt, kenne ich auch kein Kind, dass nicht irgendwann einmal Cowboy gespielt hat.

Achtsamkeit – mit oder besser von Kindern lernen?!

Wir können viel von Kindern lernen. Aber wenn es eines gibt, was wir ganz bestimmt von ihnen lernen können, dann ist es das Achtsamkeitsprinzip! Ich kenne – außer Tieren – niemanden, der so sehr im Hier und Jetzt lebt wie Kinder. Und genau das ist Achtsamkeit. Einfach mal genau den Moment wahrnehmen, in dem man sich gerade befindet. Ohne an die Probleme von gestern oder die Sorgen von morgen zu denken. Das Hier und Jetzt bewusst erleben und allen Gefühlen, die gerade da sind, ihre Daseinsberechtigung zu lassen, ohne sie zu bewerten. Das können Kinder.

Vielleicht ist es deswegen auch eher schwierig, Kindern Achtsamkeitsübungen lehren zu wollen?! Weil sie einfach schon viel weiter sind. Weil sie das können, was wir schon längst verlernt haben.

Gerade bei sehr aktiven, selbstbewussten Kindern, wo ganz gern mal eine ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) – Vermutung von Seiten des Umfelds im Raum steht, kommt oftmals der Auftrag, Achtsamkeitsübungen im Alltag zu implementieren.

Um es vorweg zu nehmen: Nach meinen Erfahrungen, wird ADHS viel häufiger diagnostiziert, als es tatsächlich der Fall ist. Kinder, die wirklich betroffen sind, wollen mitmachen, wollen was schaffen, wollen sich konzentrieren können, schaffen es aber einfach nicht. Kinder, die zwar auch sehr aktiv sind – gefühlt immer aufm Sprung, immer „unterwegs“ – sich aber gleichzeitig auch mal in etwas verbeißen können, ganz in einer Sache aufgehen, sich auf etwas richtig fokussieren, sprich konzentrieren können, die haben auch kein ADHS.


In punkto Achtsamkeit erinnere ich immer gern ein Erlebnis mit einem vierjährigen Jungen. Zugegeben ein sehr aktives und selbstbewusstes Kind und immer in Bewegung, wenn nicht gerade mit Armen oder Beinen dann mit seinem Mund 😊 und genauso wurde auch mit ihm gespielt. Immer Highlife immer Aktion, was auch wirklich schön zu sehen war. Da wollten Erwachsene es dem Jungen so schön wie möglich machen. Gleichzeitig wurde sich aber auch seitens der Eltern danach gesehnt, mal was Ruhiges, Entspannendes machen zu können – was glaube ich jedes Elternteil nachvollziehen kann. Die Lösungen sollten Achtsamkeitsübungen sein.

So weit so gut. Nur funktionierte es nicht, dass das Kind diese Übungen auch annahm. Bei der Herangehensweise „Wir wollen mal was anderes mit Dir machen.“ Oder „Wir haben hier was Tolles, was wir Dir zeigen wollen.“ War zwar anfängliche Aufmerksamkeit da, aber - und so ist es bei aktiven, selbstbewussten Kindern oft – dann nahm das Kind selbst das Heft in die Hand und machte seine eigenen Spielregeln, sein eigenes Spiel daraus.


Mein Kontakt mit diesem Jungen war nun weniger für ihn als mehr für mich lehrreich.

Er stürzte sich gleich auf die Legokiste und fing nicht nur an zu spielen, sondern erteilte mir auch umgehend Anweisungen. Ich machte mit und so entstand schnell das Spiel, dass es meine Aufgabe war, bereits zusammengebaute Legosteine wieder zu zerlegen, während er diese wieder neu zusammenbaute. Dabei wurde jeder Schritt kommentiert. Meist wurde eine kleine Platte willkürlich mit Steinen besetzt bis keiner mehr raufpasste und die so entstandenen einzelnen Fragmente, wurden dann zu einem Gebäude zusammengefügt, das immer weiter wuchs. Da auseinanderbauen schneller geht als zusammensetzen, bremste er mich des öfteren. Und so kam es, dass ich mit zusammenbaute. Und da kam mein effektiv arbeitender Verstand ins Spiel. Er wollte möglichst viele Steine so passend wie möglich auf die Platte bringen. Und dann fühlte ich regelrecht, wie es anstrengend, ja kompliziert wurde. Der eine Stein war zu groß, der nächste verschwendete Platz… Ein Blick zur Seite zeigte mir, wie einfach es ging 😊: Einfach den nächstbesten Stein nehmen, auf die Platte setzen, fertig. Und wenn die Platte voll ist, ist sie halt voll und die nächste kommt dran.

Ich machte es also diesem 4jährigen Jungen nach und, was soll ich sagen, es war entspannend, ja schon fast befreiend, nicht immer effektiv arbeiten zu müssen. Und es war vor allem eins: achtsam! Am Ende saßen wir eine Stunde nebeneinander und haben Legosteine zusammengesteckt. 😊 Und in der zweiten Hälfte haben wir dabei so gut wie gar nicht mehr miteinander geredet.Und wieder einmal war ich überrascht, was Kinder alles können, was alles in ihnen steckt!


Und unsere Aufgabe ist „nur“ zuzulassen, dass sie es entfalten können.

Das heißt vor allem, sich selbst ständig zu reflektieren und vor allem auch flexibel zu sein und von einem „Skript“ auch mal abzuweichen und gegebenenfalls selbst dazu zu lernen. Denn diesem Jungen musste ich keine Achtsamkeitsübung lehren, er konnte sie schon, nur eben auf seine Art und Weise. Und ich muss sagen, ab und an bin ich versucht, mir die Legokiste zu schnappen und einfach drauflos zu bauen… 😊

Glaubenssätze

„Das hat mir früher auch nicht geschadet!“ – „Bist Du sicher?“

 

Nur weil jemand körperlich augenscheinlich unversehrt vor uns steht, heißt das nicht automatisch, dass er keine seelischen Narben aus der Kindheit davongetragen hat. Denn Fakt ist, dass die Wartelisten von Psychotherapeuten voll sind. Natürlich stehen darauf auch Patienten, deren Leiden nicht unbedingt in der Kindheit zu verorten sind, wie zum Beispiel bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung, bei der ein Zeitpunkt meist gut zu lokalisieren ist. Aber auffällig ist auch, dass die Arbeit mit dem inneren Kind noch nie so populär war wie heute (z.B. durch Selbsthilfebücher).

Es müssen nicht immer große Ereignisse und Krisen sein, die das Leben beeinträchtigen. Zweifelsohne schlagen die mit voller Wucht ein und das Leben ist danach nicht mehr, wie es vorher war. Diese Lebensereignisse sind sehr präsent und man steht ihnen Auge in Auge gegenüber. Im Gegensatz dazu stehen die vermeintlich kleineren seelischen Narben, die man gar nicht mehr sieht, oder die Verletzung sogar gar nicht wahrgenommen hat – daher das: „Das hat mir früher auch nicht geschadet!“

Aber kann man das eigentlich mit 100%iger Sicherheit sagen, wenn man die Verletzung gar nicht gespürt hat und sich den schleichenden Auswirkungen bis heute nicht bewusst ist?!

Ich rede von in der Kindheit implementierten Glaubenssätzen (wie z.B. „Ich kann das eh nicht.“, „Ich bin nicht genug.“), die meist ein Leben lang bestehen, und aus dem Unterbewusstsein heraus, unsere heutigen Entscheidungen mitsteuern.


Beispiel: Ein sozial sehr verträgliches Kind fällt dadurch auf (oder eben auch nicht), dass es ganz genau weiß, was in bestimmten Situationen von ihm erwartet wird, und sich immer im Regelbereich verhält, so gut wie nie Grenzen überschreitet, ja ihnen ganz bewusst noch nicht einmal nahekommt. Solche Kinder können sich überdurchschnittlich gut in andere hineinversetzen. Erzieher und Lehrer werden mit diesem Kind eigentlich keine Probleme haben, im Gegenteil nur voller Lob über es reden, sofern denn sein Verhalten zur Sprache kommt. Je nachdem wie stark diese Charaktereigenschaft der Verträglichkeit ausgeprägt ist, könnte man ggf. mit dem Kind schon ein bisschen in die Richtung interagieren, dass es auch einmal mehr bei sich ist, als bei den Wünschen anderer (Achtsamkeitstraining). Und Anerkennung dafür bekommt, wenn es seine eignen Wünsche äußert, und nicht nur wenn es sich nach den Richtlinien anderer richtig verhält.

Noch ungünstiger wird die Situation dann, wenn beispielsweise noch folgende Motivationsstrategie hinzukommt (und die begegnet mir leider gar nicht so selten):

Beispiel: Schuhe zubinden. Und von einem Erwachsenen kommt dann der vermeintliche Aufmunterungssatz: „Was Schuhe zubinden? Nee, das kannst Du nicht. Das glaube ich nicht.“ Dahinter steckt zwar das ehrenwerte Motiv, das Kind zu motivieren, es doch zu schaffen, aber egal, wie es ausgeht, es verankert wenig Gutes im Kind.

Gelingt es, die Schleife zu binden – und meist wird dann überschwänglich überrascht und begeistert reagiert – lernt das Kind: Es wird mir zwar nicht zugetraut, aber wenn ich es trotzdem schaffe, also Höchstleistung erbringe, erhalte ich Anerkennung (zur Erinnerung: für ein höchst verträgliches Kind, das die Anerkennung aus dem Zufriedenstellen des Gegenübers zieht, ist das höchst problematisch, da es verinnerlicht, immer Vollgas geben zu müssen, und irgendwann – vielleicht auch erst im Erwachsenenalter – Gefahr läuft einfach auszubrennen).

Die zweite Variante: Das Kind schafft es nicht, die Schleife zu binden. Hier fällt die Quelle der Anerkennung weg (wenn nicht seitens des Erwachsenen noch gegengesteuert wird), sein Selbstwertgefühl leidet und mindestens genauso schlimm: auf diese Weise entwickelt das Kind keine Selbstwirksamkeitserwartung, das heißt, es traut sich nichts zu. Nach und nach verankert sich der Glaubenssatz: „Ich schaffe das eh nicht.“


Wie man zum Beispiel besser motiviert oder was hinter dem Rosenthal-Effekt steckt, der hier eine große Rolle spielt, erläutere ich in einem der nächsten Blogartikel. An dieser Stelle hoffe ich, ein bisschen sensibilisiert zu haben, für die Vielzahl an Möglichkeiten, das Seelenleben von Kindern, den späteren Erwachsenen, beeinflussen zu können – natürlich dann umgekehrt auch in positivem Sinne!